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Jun 04, 2020

Museen nach Covid: Unter welchen Konditionen werden die Besucher zurückkehren?

Von Philippe Moreau, Gründer von Tactile Studio

Jüdisches Museum, Berlin / Foto von Nick Fewings

Es ist immer schwierig, zukünftige Trends vorherzusagen, insbesondere in diesen außergewöhnlichen Zeiten. Auch wenn es noch zu früh ist, das Ausmaß des seismischen Schocks nachzuvollziehen, der sich auf kulturelle Einrichtungen auswirken wird, können wir dennoch unmittelbare Probleme für die Öffentlichkeit in einem Szenario ohne Covid und Ausgangsbeschränkungen antizipieren und die Frage beantworten „Werden die Menschen in Museen zurückkehren und wenn ja, unter welchen Bedingungen?“ Diese Analyse wird durch die Studie eines privaten Forschungsinstituts, IMPACTS Research & Development, ermöglicht, das seit Beginn der Krise eine Stichprobe von rund 2.200 Amerikanern zu ihren Absichten, Bedenken und Erwartungen befragt.

Werden die Besucher jemals in die Museen zurückkehren?

Die Frage mag auf den ersten Blick provokativ erscheinen oder zumindest im Februar 2020 tat sie das. Nach sieben Wochen innerstaatlicher Einschränkungen, sozialer Distanzierung, Vermeidung öffentlicher Räume und öffentlicher Versammlungen hat sie jedoch an Legitimität gewonnen. Sind die Bürger in Zeiten, in denen wir sogar zögern, einen Türgriff zum Betreten eines öffentlichen Raumes zu berühren und die Nähe zu Fremden vermeiden, wieder bereit, sich unter die Menge zu mischen?

Eine große Menschenmenge vor einem Kunstobjekt: Ein typisches Prä-Corona Bild

Die Reaktionen auf die am 27. April veröffentlichte Vorstudie von IMPACTS Research & Development sind sehr ermutigend. Zugegebenermaßen schätzten die Befragten bei der Einschätzung der Wahrscheinlichkeit (zwischen 1 und 100 Prozent), dass sie in Zukunft (in einer, zwei, drei Wochen, sechs Monaten, einem Jahr) in Museen zurückkehren, für eine Rückkehr im nächsten Monat als gering ein (Anmerkung: In den USA hatten nicht alle Staaten ihre Museen geschlossen). Die dreimonatigen Schätzungen entsprechen jedoch in etwa den Zahlen für 2019: Die Absichten entsprechen ihren üblichen saisonalen Niveaus. Nachdem die Forscher während der Krise wöchentlich dieselbe Umfrage durchgeführt hatten, konnten sie eine spürbare Veränderung beobachten. Die Absichten, innerhalb von drei Monaten Museen einen Besuch abzustatten, waren am 27. April um 50 Prozent höher als am 13. März. Es scheint also so, dass die Öffentlichkeit bereit ist, zu kulturellen Stätten zurückzukehren … aber zu welchen?

Tatsächlich werden Kulturstätten in Bezug auf die Sicherheit nicht gleich eingestuft und angesehen. In einer Umfrage vom 8. April wurden Außenbereiche oder gut belüftete Räume wie Botanische Gärten, Freilichtmuseen, Zoos oder Aquarien als am sichersten eingestuft. Am wenigsten sicher waren Wissenschaftsmuseen, Konzertsäle und Theater. Die Kinos erhielten nicht mehr als 30 Punkte (von maximal 100) in Bezug auf die Rückkehrabsicht. Museen lagen dabei im Schnitt bei 52 Punkten und die Öffentlichkeit scheint gemischte Ansichten in Bezug auf sie zu haben. Dies bedeutet auch, dass ihnen Zusicherungen über die Besuchsbedingungen gegeben werden müssen.

Rückkehrbedingungen: Gute Nachrichten … und weniger gute Nachrichten

Anfang April wurde im Rahmen der Studie die Frage gestellt: „Unter welchen Bedingungen würden Sie sich sicher und wohl fühlen, wenn Sie wieder in ein Museum, Aquarium, Theater, Zoo oder zu einem Konzert gehen?“ Aus den Antworten geht hervor, dass einige Bedingungen für die Rückkehr der Befragten rein von kulturspezifischen Faktoren abhängen. Erstens ist die Verfügbarkeit eines Händedesinfektionsspenders für 43 Prozent der Befragten wichtig. Und das sind gute Nachrichten: Es ist eine einfache und praktische Lösung, einen stets gefüllten Spender zugänglich und sichtbar zu positionieren – im Bereich jeder kulturellen Einrichtung. Die zweite gute Nachricht ist die Tatsache, dass die Befragten offenbar Vertrauen in das Museumspersonal haben: Die alleinige Tatsache, dass man sich für eine Wiedereröffnung entscheidet, ist für 32 Prozent der Befragten Beweis genug dafür, dass der Ort sicher ist. Darüber hinaus ist es für nur 14 Prozent der Befragten wichtig, über die richtigen Methoden und die Häufigkeit des Händewaschens informiert zu sein. Entgegen des instinktiven Eindrucks ist es einer der Faktoren, die die Öffentlichkeit am wenigsten zu stören scheint. Einschränkungen bei Besucherzahlen und der Handhabung von Warteschlangen sind nur für 17 bis 19 Prozent der Befragten wichtig.

Problematisch wird es erst, wenn man sieht, dass das Vertrauen der Besucher hauptsächlich auf Faktoren beruht, die außerhalb der Kontrolle des Museums liegen. Für 87 Prozent der Befragten ist die Verfügbarkeit eines Impfstoffs das wichtigste Kriterium, das ihnen ein Gefühl der Sicherheit in einem Museum vermittelt. Ein Impfstoff wird zweifelsohne international unter vollem Ausschöpfen der Ressourcen erforscht und getestet, jedoch ist ein Markteintritt erst in etwa einem Jahr realistisch. Regierungsentscheidungen sind das zweite Kriterium, das die Befragten beruhigen würde: 65 Prozent wünschen sich starke Ankündigungen zur Aufhebung von Zugangs-, Bewegungs- oder Reisebeschränkungen.

Artikel am 30. April 2020 auf Linkedin veröffentlicht

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